Soll der Samstag wieder "Regelarbeitstag" werden?

Mit unserem Tarifabschluss 2012 sind wir eine Verhandlungsverpflichtung zum Thema Samstagsarbeit eingegangen:

Samstagsregelung

Anknüpfend an das Verhandlungsergebnis der Tarifrunde 2010 vereinbaren die Tarifvertragsparteien, nach Abschluss der Gehaltstarifverhandlung 2012 das Thema Samstagsarbeit gesondert zu verhandeln. Die Gespräche sind ergebnisoffen bis 30.04.2014 abzuschließen.

Die Arbeitgeberseite wird in diesem Zusammenhang u.a. folgende Themen ansprechen:

  • Vereinheitlichung der Voraussetzungen und Ausgleichsregelungen
  • Sicherstellung, dass die Unternehmen zusätzliche Geschäfts- und Flexibilitätschancen an Samstagen nutzen können, wobei im Jahresdurchschnitt der ganz überwiegende Teil der Belegschaften an Samstagen nicht eingesetzt werden soll
  • Die gesetzlichen Mitbestimmungsrechte der Betriebs-/Personalräte sollen unberührt bleiben

Die Gewerkschaft ver.di wird in diesem Zusammenhang u.a. folgende Themen ansprechen:

  • Bestätigung des Grundsatzes des dienstfreien Sonnabends
  • Begrenzung der Ausnahmetatbestände und der individuellen Betroffenheit
  • Kontingentierung der Betroffenheit
  • Freiwilligkeit (individuell und kollektiv), im übrigen sollen die gesetzlichen Mitbestimmungsrechte der Betriebs-/Personalräte unberührt bleiben
  • Zuschlagspflicht
  • Personalausgleich
Am Samstag gehöre ich der Bank? (PDF)

Am Samstag gehöre ich nicht der Bank! (PDF)

Samstagsarbeit: Weiterhin strittig (PDF)

Zur Zulässigkeit von Arbeiten an Sonnabenden (PDF)

Auslegung der Tarifregelungen im Bankgewerbe (PDF)

Hallo Peter. Nachdem die Sommerpause jetzt vorbei ist, wollten wir einmal nachfragen, wie es zum Thema Samstagsarbeit aussieht. Gab es hier schon weitere Verhandlungen.

Hallo auch von meiner Seite. Ja, es gab eine 2. Verhandlungsrunde im August. Allerdings gab es hier leider kaum etwas Neues von Seiten der Arbeitgeber.

Was heißt das konkret?

Tja, leider haben die Arbeitgeber ihre Positionen fast unverändert erneut vorgetragen. Sie wollen, dass 15% der Mitarbeiter an Samstagen ohne Zuschläge eingesetzt werden können. Sie sagen weiterhin nicht, in welchen Bereichen oder zu welchem Zweck dies möglich sein soll. Überdies wollen Sie, dass für derartige Einsätze noch nicht einmal der Betriebsrat einzubinden ist. Somit wird auch die 6-Tage-Woche möglich – und das ist auch der einzige Punkt, in dem die Arbeitgeber konkreter wurden, sie sagen jetzt nämlich die 5-Tage-Woche im Durchschnitt von 4 Monaten zu. Ich halte das aber weiter für eine Katastrophe!

Warum ist das eine Katastrophe? Hätte das auch Auswirkungen auf den Urlaub?

Nein, Auswirkungen auf den Urlaub hätte es nicht, weil ja die 5-Tage-Woche weiterhin gelten würde. Da aber der Betriebsrat noch nicht einmal eingebunden, geschweige denn wie bisher dem Einsatz zustimmen müsste, kann ich mir alles Mögliche vorstellen. Das geht von 3 Monate lang 6-Tage und einen Monat 3-Tage, über alles dazwischen bis hin zu Mitarbeitern, die zwar regelmäßig die 5-Tage-Woche haben, dafür aber jeden Samstag arbeiten müssen bei wechselnden freien Wochentagen. Und das alles, ob der Mitarbeiter will oder nicht.

Warum ist das für Dich so wichtig? Gibt es nicht Mitarbeiter, die kein Problem damit hätten an Samstagen zu arbeiten wenn sie damit ihren Arbeitsplatz sichern können? Und müsste die Bank im Gegenzug für die Ausweitung der Arbeitstage sogar Personal einstellen?

Letzteres sehe ich leider gar nicht. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass es eben genau darum geht, Mitarbeiter auch samstags zu Arbeit verpflichten zu können, um die vorhandenen Aufgaben mit immer noch weniger Personal bewältigen zu können. Mit dem vorgeschlagenen System kann man nämlich wunderbar auch konjunkturelle und saisonale Effekte auspendeln. Man kann mehr Messen, Stadtfeste, Fußball-Promotion-Aktionen und Ähnliches bestreiten, zumal allein der Wegfall der Zuschläge die Ausgleichzeiten um ein Viertel reduziert. Und natürlich kann man auch jede Filiale am Samstag öffnen, vor der gerade irgendein „Event“ stattfindet.


Sie haben zu diesem Thema sicher auch nach der Meinung der Mitarbeiter gefragt. Wie sehen die das Thema?

Selbstverständlich. Wir haben schon Ende Juni, also unmittelbar vor der 1. Verhandlung, rund 6.000 Kolleginnen und Kollegen in München per Mail befragt – und wir hatten noch bei keiner Befragung zuvor eine so hohe Resonanz wie bei dieser. Schon nach 12 Stunden lag die Beteiligung bei knapp 25%. Am Ende sprachen sich ziemlich genau 80% der „Antworter“ gegen eine regelmäßige Samstagsarbeit aus, sogar 82,5% sind gegen eine 5-Tage-Woche nur im Schnitt und sogar87,9% sagen, dass es für die Einführung einer solchen Samstagsarbeit keine Notwendigkeit gibt. Und zu unserer Überraschung wären 2/3 der Kolleginnen und Kollegen auch bereit, sich an Aktionen zu beteiligen, um die regelmäßige Samstagsarbeit zu verhindern.

Statistik: kommt noch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Rahmen der Tarifrunde 2012 wurde vereinbart, dass zwischen Arbeitgeberverband und ver.di ab 2013 ergebnisoffene Gespräche zum Thema Samstagsarbeit aufgenommen werden. Eine erste Gesprächsrunde hierzu fand bereits statt – die Ergebnisse entnehmen Sie bitte der Anlage.

Vor der ver.di internen Sitzung am kommenden Montag wollen wir nun von Ihnen wissen:

  • Können Sie sich vorstellen, regelmäßig an Samstagen ohne Zuschlag, aber mit 1:1 Zeitausgleich an einem anderen Wochentag, zu arbeiten?
  • Wären Sie bereit, nur noch im Schnitt in einer 5-Tage Woche zu arbeiten, auch wenn das bedeuten kann, 10 Wochen lang 6-Tage-Woche und dann 10 Wochen 4-Tage-Woche?
  • Halten Sie eine regelmäßige Samstagsarbeit in Banken für notwendig?
  • Wären Sie bereit, sich an Aktionen (Unterschriftensammlung, Mittagspause, etc.) zur Verhinderung einer derartigen Ausweitung der Samstagsarbeit zu beteiligen?

Florian Schwarz
Peter Aschenbrenner
Mitglied im ver.di-Bundesfach-
gruppenvorstand Banken
Mitglied der ver.di-Tarifkommission
für das private und öffentliche
Bankgewerbe

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